Was machen Lehrer eigentlich den ganzen Tag so? Ferien!

5.3.16

Ich kann den Spruch ja echt nicht mehr hören. Ach, du bist Lehrer, wegen der vielen Ferien, hä? Ja genau, ich habe mir nach dem Abitur überlegt, in welchem Job ich am meisten frei habe und genau den habe ich dann gewählt. Ne Quatsch, ich habe hier ja schon erzählt, warum ich Mathe- und Chemie-Lehrerin fürs Gymnasium geworden bin. Heute kläre ich alle da draußen sehr gerne mal auf, was wir Lehrer eigentlich so den ganzen Tag machen. Irgendwie schwirrt der Irrglaube rum, dass wir nur vormittags in der Schule sind, den Nachmittag frei haben und auch sonst ständig in den Ferien sind. Ich kann jetzt natürlich nur von hessischen Lehrern im Gymnasium reden, das mag in anderen Bundesländern anders aussehen.
Was machen Lehrer den ganzen Tag?

Wie viele Stunden arbeiten Lehrer eigentlich in der Woche?

Das ist schwer zu berechnen. Faktisch steht auf der Abrechnung, dass ich bei voller Stelle 26 Stunden Unterricht geben muss. Wenn man über eine bestimmte Zahl an Oberstufenstunden kommt, sogar nur 25. Das hört sich wenig an, aber dazu kommt noch das, was viele nicht sehen:
- Unterricht vorbereiten (In der Oberstufe rechnen ich alle Aufgaben vorher nochmal durch, damit ich sie besser erklären kann, das nimmt ziemlich viel Zeit in Anspruch)
- Arbeiten/Klausuren konzipieren und korrigieren
- 3 Vertretungsstunden pro Monat halten
- Gesamtkonferenzen, Pädagogischer Tag, Elternsprechtag, Tag der offenen Tür, Mathe-Samstag
- Klassenfahrten/Studienfahrten organisieren und betreuen
- Ausflüge planen und begleiten
- Abiturprüfungen schriftlich, mündlich, Präsentationen, Nachprüfungen
- Zusatzaufgaben (z.B. Fachsprecher, Sammlungsleiter, Homepage, Archiv, Bibliothek, ...)
- Pausenaufsichten (danach ist man ein nervliches Wrack!)
- Elterngespräche, bzw. Emails (der schlimmste Teil am Lehrersein für mich)
- Klassenlehrer (Klassenkasse verwalten, Zeugnisse drucken, Probleme klären)
- Elternabende
- Noteneintragung
- Kopieren
- Gespräche mit Kollegen führen
- Mathewettbewerbe durchführen
- Einarbeiten in neue Schulbücher, Wechsel G9-G8-G9, Schulinterne Lehrpläne schreiben
- Chemieversuche vorbereiten und wieder wegräumen
- Lernstandserhebungen, Schulinspektionen
- Fortbildungen

Das ist dann doch einiges, wenn man es mal so festhält. Man rechnet damit, dass ein Lehrer in Vollzeit etwa 40 Stunden pro Wochen arbeitet. Wobei man da auf jeden Fall differenzieren muss. Ich als Mathelehrer korrigiere sicher schneller als ein Deutschlehrer. Ein Reli- und Sportlehrer, der nie eine Klassenleitung bekommt, kommt bestimmt auch ganz gut klar. Es gibt nämlich nicht nur gehässige Kommentare von außen, die gibt es auch bei uns im Lehrerzimmer. "Der macht überhaupt nichts zusätzlich, der macht nie Klassenleitung, der hat keinen Nachmittagsunterricht, die korrigiert immer viel mehr als andere, ...".
Wie viele Stunden arbeiten Lehrer in der Woche?

Was machen Lehrer in den Ferien?

Sehr beliebte Frage. "Habt ihr in den Ferien wirklich frei? Sechs Wochen lang?" Jein. Das kommt mal wieder drauf an. Wenn man wie ich jetzt eine Abiturklasse unterrichtet, dann sind die Osterferien eigentlich nur zum Korrigieren. Ich muss 18 Mathe-Klausuren meiner eigenen Schüler und 15 Klausuren meiner Kollegin durchschauen, bewerten und einen Erwartungshorizont schreiben. In Mathe schaffe ich das wohl in einer Woche, die Sprachen- und Deutschlehrer haben es da schwerer. Generell erledige ich in den Ferien viele Sachen, zu denen ich sonst nicht komme. Ich räume meinen Arbeitsplatz auf, organisiere meine Notenlisten, schaue, wann ich welche Arbeiten schreiben kann und bereite schonmal einiges vor. Die Winterferien bieten sich dazu an, Noten zu machen. Oder die letzten Arbeiten zu korrigieren. Ich versuche immer, die nicht mit in die Ferien zu nehmen, dann sitze ich halt vorher am Wochenende da. Die Sommerferien sind tatsächlich die entspanntesten, weil das Schuljahr zu Ende ist. Wenn man Pech hat, muss man Nachprüfungen machen oder protokollieren. Außerdem gibt es eine Dienstversammlung am letzten Freitag. Ich nutze meist die letzten Wochen, um die erste Woche zu planen. Gerade, wenn man eine 5. Klasse übernimmt, gibt es so viel zu organisieren am Anfang. Und man sollte schonmal schauen, wo die nächste Klassenfahrt hingehen könnte. Die beliebtesten Ziele sind nämlich schnell weg.
Im Übrigen bedenkt auch keiner, dass wir nur in den teuren Ferien verreisen können und ich mir nicht einfach mal so einen Tag freinehmen kann.
Was machen Lehrer in den Ferien?

Kann jeder Lehrer werden?

Theoretisch natürlich schon. Dazu muss man zwei oder mehr Fächer gut beherrschen, diese muss man nämlich studieren, parallel. Ich habe das Grundstudium Mathe und Chemie gemacht sowie Pädagogik und Psychologie. Wenn man das überstanden hat nach mindestens 5 Jahren, geht man ins Referendariat. Das ist eine harte Zeit, weil man ständig Überprüfungen hat und zusätzlich irgendwelche Seminare besuchen muss. Hier gibt es eine Abschlussprüfung plus eine zweite Examensarbeit. Tatsächlich stellt man entweder schon im Praktikum während des Studiums oder spätestens jetzt fest, dass man nicht vor Schülern reden kann. Oder dass die einem nicht zuhören. Ich habe da so einige erlebt, die die Phase nicht geschafft haben. Oft wird die Arbeit mit den Kindern nämlich unterschätzt. Lehrer müssen eine unglaubliche Geduld haben, müssen sich gut durchsetzen können und dabei mit Witz und Charme die Schüler einnehmen. Glaubt mir, das ist schwieriger als man so denkt. Es gibt Tage, da bin ich tierisch gereizt, da raste ich auch mal aus. Aber normalerweise komme ich ziemlich gut klar mit den Kids. Wenn ich meinem Mann dann aber so manche Geschichten erzähle, dann schluckt er meist und hat großen Respekt vor meinem Beruf. Und die Arbeit mit den Eltern kann einem den letzten Nerv rauben. Ich hatte da gerade so einige Fälle, da bin ich schon an meine Grenze gestoßen. Manche Eltern nehmen sich einfach unglaublich viel raus. Aber das wäre einen eigenen Post wert.

Das sollte jetzt keine Abschreckung meines Berufes sein, ich liebe ihn und würde ihn mir immer wieder aussuchen. Aber nicht wegen der Ferien, sondern weil das Arbeiten mit Kindern meine Leidenschaft ist. Ich wollte einfach mal einen Einblick geben für die, die meinen, wir sonnen uns den ganzen Tag und schreiben Posts oder so ;-)

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18 liebe Worte

  1. Der Post hätte von meiner Schwägerin sein können ;-) Auch Lehrerin und auch immer in Erklärungsnot. Was ich überhaupt nicht verstehe ist diese Meckermentalität...wieso beschäftigen sich die Leute immer so sehr mit den anderen? Wenn man mit seiner Situation nicht zufrieden ist, sollte man es ändern und nicht über andere ärgern die es angeblich besser haben. Ich könnte keine Lehrerin sein...sobald mich mehr als 5 Paar Augen angucken verabschiedet sich meine Stimme :-)
    Ein schönes Wochenende,
    Lee

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    1. Hallo Lee!
      Meine Standardantwort ist dann auch eigentlich: "Dann werde halt auch einfach Lehrer". Kann ja jeder frei entscheiden. Das wollen die meisten aber dann doch nicht machen.
      LG Steffi

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    2. Ja, das ist auch immer meine Antwort. Wenn der Beruf doch angeblich so schön und vor allem einfach ist, warum haben die Leute ihn dann nicht selbst ausgsucht? Es gibt Zeiten da kann ich solche Sprüche á la "Lehrer haben den bestbezahlten Halbtagsjob" überhaupt nicht ertragen...

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  2. Liebe Steffi,
    gut, dass das jemand einmal aufklärt! Ich selber höre auch immer solche Sprüche.
    In der Schweiz ist es so, dass wir bei einem Vollzeitpensum 29 Lektionen unterrichten. Mit Vor- und Nachbereiten ist das ein solch riesiger Aufwand, dass ich wenige Kollegen kenne, die wirklich all diese Lektionen unterrichten. Die meisten arbeiten aus Eigenschutz ein Pensum von ca. 90%, weil das andere einfach nicht machbar ist.
    Wenn man nämlich wirklich genau hinschaut, sieht man, dass viele Lehrer eher zu viel arbeiten und sich mit voller Hingabe ihren SchülerInnen widmen.
    ♥ Sabrina

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    1. Hallo Sabrina! Wie lang sind denn die Lektionen bei euch? Bei uns arbeiten auch viele nicht voll.
      LG Steffi

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  3. Toller Post! :D

    Ich bin selbst auch Lehrerin und inzwischen wegen Stellenmangels mit einem Jahresvertrag an einer Mittelschule (ehemals Hauptschule). Und da kann ich das mit den Pausenaufsichten nur unterschreiben. Überhaupt ist das Ganze ein einziger großer Kampf - bei Berufswunsch Hartz IV dringt man halt nicht wirklich zu den Schülern durch.

    Eigentlich hatte ich Englisch und Italienisch fürs Gymi studiert und das hat mir trotz des krassen Korrekturaufwands super viel Spaß gemacht. Langsam jedoch verzweifle ich an meiner Berufswahl und die Tatsache, dass Ferien sind, ist eigentlich nur der letzte Rettungsanker vor dem Burn out, anstatt dass ich mir da das Leben lässig gut gehen lasse.

    Schön also zu hören, dass du weiterhin so viel Spaß an deinem Beruf hast :)

    Liebe Grüße
    Nathalie

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    1. Oh nein, also Hauptschule wäre jetzt auch nichts für mich. Das tut mir ja Leid.
      Hoffentlich findest du bald wieder was an einem Gymnasium.
      LG Steffi

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  4. Sehr schön geschrieben! Als doppeltes Lehrerkind kenne ich das alles nur zu gut. Und trotzdem hab ich mir einen anderen Beruf gesucht, den ich gerade verfluche ;-( Aber auch nur, weil es den so in Hessen nicht gibt und ich mit Kleinkind im ländlichen Raum, mageren Kitaöffnungzeiten und einer Fahrstrecke von einfach 1,5 Stunden minimum schlecht wieder halbtags anfangen kann... Und Telearbeit getstattet mir mein Chef nicht, obwohl meine alte Aufgabe telearbeitsfähig wäre. *grummel*
    Grüße Sonnenblume

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    1. Oh wie schade. Dabei ist Homeoffice doch heutzutage gar nichts Besonderes mehr. Hmmm.
      LG Steffi

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  5. ...ja, ich würde es auch immer wieder tun, bin gerne in der Schule - zu deinem Post kann ich nur sagen "Eins - setzen !" ;O)
    Bei uns hängt es immer davon ab, wo man Aufsicht hat.
    Und wir "wappnen" uns gerade mit Fortbildungen zum Thema Elterngespräche.
    Wenn du magst schreib mir ne Mail an good-lucky@gmx.de mit einer Fax Nr. dann lass ich dir gerne mal ein Skript der letzten zukommen.
    Liebe Grüße
    und schönes WE
    Gabi

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    1. Das ist lieb Gabi, ich hatte auch mal so eine Fortbildung. Aber glaube mir, bei der Mutter, die ich jetzt vor mir sitzen hatte, hilft kein Tipp der Welt.
      LG Steffi

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  6. Ich unterschreibe das komplett. Habe mit meinen Fächern Deutsch und Politik/Wirtschaftslehre plus Klassenleitungen plus...genügend zu tun. :)))
    Liebe Grüße
    Penny

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  7. Du hast ja so recht. Wenn mir jemand mit blöden Fragen kommt, dann erkläre ich auch immer erstmal wie mein Tag aussieht:6:40-17:00 Uhr (Schule bis 13 Uhr, dann dort Vorbereiten.). Da schauen die meisten dann blöd...und sind noch irritier wenn ich in dem Ferien sag "ich kann heute nicht, ich geh arbeiten"... da wollen sie dann auch keine Lehrer mehr sein ;)

    Liebe Grüße,
    Anna

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  8. Sehr aktuelles Thema, auch in anderen Bundesländern. Hier z.B. ein passender Artikel über die Arbeitszeiterhebung, die gerade in Niedersachsen läuft. http://m.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Uebersicht/So-sieht-der-Arbeitsalltag-von-Lehrern-mit-Arbeitszeiterfassung-aus
    Liebe Grüße von Lena

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  9. Hallo liebe Vorredner,
    ich bin Lehrer an einer kooperativen Gesamtschule und zu ca. je ein Drittel in Gymnasium, Realschule und Hauptschule eingesetzt. Ich finde diese Vielfalt sehr gut, da es Abwechslung zwischen fachlichem Anspruch und pädagogischen Herausforderungen bedeutet. In den Jahren in denen ich Lehrer bin, habe ich bislang immer sehr positive Rückmeldungen seitens Schülern und Eltern bekommen. Die Leute mit denen ich mich über den Beruf unterhalte sprechen in der Regel sehr respektvoll und anerkennend über unsere Tätigkeit. Ganz oft höre ich, dass das was wir leisten toll ist und die wenigsten würden mit uns tauschen wollen.
    Viele Grüße
    Thomas D.

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  10. Also von meinem Onkel, der ebenfalls Lehrer ist und meiner Schwägerin (auch LEhrerin) hab ich eines gelernt: Lehrer arbeiten nicht weniger als Wir anderen.. ehe rmehr, je nachdem wie engagiert sie sind....

    Das ist genauso ein doofes Vorurteil, wie das, dass beamten nur Schlafen.. die arbeiten auch echt viel XD

    Viele liebe Grüße

    Franzy

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  11. Gut geschrieben... ich denke auch immer bei den Sprüchen..ohmannnn...auch wenn ich keine Lehrerin bin..aber im Vorstand einer Waldorfschule und hab einen ganz guten Einblick hinter die Kulissen. Voller Respekt für diese Berufswahl und diese Ideale die man schon mitbringen sollte. Ich persönlich würde glaube ich scheitern. Arbeite ich doch am allerliebsten in einem sehr sehr ruhigen Umfeld :) gglg emma

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  12. Du sprichst mir aus der Seele!!
    Ich unterrichte hauptsächlich in einer Klasse 1/2, da sagen viele: Ach, die Kleinen sind ja so lieb! Ja nee, sie sind wirklich süß, aber lieb sind sie nicht immer... Trotzdem mache ich es wirklich gerne, aber mit einer 40 Stunden-Woche komme ich niemals hin!
    Da kann man zu anderen wirklich nur sagen: Augen auf bei der Berufswahl, hätte ja jeder Lehrer werden können...
    Liebe Grüße und frohe Ostern!
    Wiebke

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Ich freue mich riesig über nette Kommentare!